18.01 2019
Auslandsinvestitionen im brasilianischen Agrobusiness
Freitag, 20. Mai 2011 um 16:06 Uhr

Der Anteil an internationalen Investitionen in brasilianischen Agrobusiness wächst ungebrochen. Internationale Nahrungsmittelkonzerne investierten in den letzten 10 Jahren rund 47 Milliarden US-Dollar in die brasilianische Landwirtschaft, eine Steigerung von rund 13 Prozent gegenüber dem Vorjahrzehnt. Trotzdem beunruhigt diese Entwicklung die brasilianische Regierung: sie befürchtet unter anderem eine Unterwanderung durch chinesische Investoren.

Wirtschaftsexperten datieren die Periode, in der Investitionen aus dem Ausland in der brasilianischen Wirtschaft Bedeutung erlangten, auf den Anfang des 20. Jahrhunderts – sie betrafen besonders die Sektoren Industrie und Dienstleistungen. Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends schritten sie vor allem im Agro-Business voran. Eine Studie im Auftrag des Ministeriums für Landwirtschaftliche Entwicklung, ausgeführt von der Universität Rio Grande do Sul zeigt, dass multinationale Konzerne der Nahrungsmittelindustrie in den letzten 10 Jahren 47 Milliarden US-Dollar in Brasilien investiert haben. Im Vergleich zu 1990 hat die Beteiligung ausländischen Kapitals im Agro-Business einen Sprung von 31% auf 44% gemacht.

Ausländische Unternehmen kontrollieren einige der bedeutendsten Produkte auf der brasilianischen Exportliste. Sie kaufen 51% der brasilianischen Sojaernte, 37% der Schweinefleisch-Produktion, und nun wenden sie sich auch Zucker und Alkohol zu. Ihre Vorherrschaft haben sie durch die Einquartierung von Aussenhandelsstellen und dem Ankauf lokaler Nahrungsmittel-Industrien erreicht. Direkte Aktionen stellten sie bisher zurück, so dass Ende 2010 lediglich 4% der aus dem Ausland investierten Mittel für die Feldarbeit selbst bestimmt waren.

"Historisch betrachtet konzentrierten sich Ausländer zuerst auf eine Kommerzialisierung der Produktion und auf die Lebensmittelindustrie", resumiert Augusto Mussi Alvim, Autor der Studie. In den letzten zehn Jahren begann sich diese Situation zu verändern. Das Register der Zentralbank zeigt, dass Ausländer im Jahr 2002 insgesamt 104 Millionen US-Dollar in den Ankauf brasilianischer Grundstücke investierten. 2008 war diese Zahl auf 548 Millionen US-Dollar gestiegen, eine Steigerung von 427% im Laufe von nur 6 Jahren. Das Nationale Institut für Agrarreformen schätzt, dass 4,5 Millionen Hektar landwirtschaftlichen Bodens (rund 0,5% des brasilianischen Territoriums) sich gegenwärtig im Besitz von Ausländern befinden. Sie weiss allerdings nicht zu sagen, welchem Zweck dieser Boden zugeführt wird oder werden soll - ob er landwirtschaftlich genutzt oder nur für spekulative Zwecke gekauft wurde.

Auch über die Herkunft dieser Investitionen gibt es auf behördlicher Seite keine Klarheit, da 49% aller ausländischen Investitionen ins brasilianische Agro-Business aus Steueroasen stammen: der Schweiz, den Kayman-Inseln und den Bermudas. Die braslianische Regierung hegt den Verdacht, dass dieser Prozess von chinesischen Unternehmen gesteuert wird. Beunruhigt versucht sie, den Ankauf von Landbesitz durch Ausländer einzuschränken.

Im August 2010 hat deswegen die Staatsanwaltschaft den Verkauf von Grundstücken an ausländische Unternehmen begrenzt. Als Begründung wurde angegeben, dass strategisch als wichtig geltende Ländereien in der Hand von Brasilianern verbleiben müssten. Als Unternehmer, die hierdurch ihre Business-Gelegenheiten in Gefahr sahen, zu maulen begannen, lenkte Agrarminister Wagner Rossi im Mai 2011  ein und gab bekannt, man werde die Begrenzung flexibel halten: Ausländer dürften zwar weiterhin keine Ländereien kaufen – aber wenn sie diese mieten wollten, stehe dem nichts im Wege.