22.03 2019
Die Autohersteller kommen
Mittwoch, 14. März 2012 um 01:00 Uhr
Im Herbst 2011 kündigte VW an, bis 2016 3,4 Mrd. Euro in seine brasilianischen Standorte zu investieren, rund 5,5 Prozent seiner für diesen Zeitraum geplanten weltweiten Investitionen. Ein Drittel des Geldes soll in den Ausbau der Infrastruktur der bestehenden Werke in São Paulo und Paraná fliessen, der Rest in Entwicklung, Werbung, und Vertrieb. Auch der Bau weiterer Werke ist im Gespräch. Die Entscheidung kommt nicht von ungefähr. Zwar ist VW in Brasilien bereits seit über 50 Jahren erfolgreich präsent, doch der seit 2004 boomende der brasilianische Binnenmart zieht Jahr um Jahr neue Konkurrenten an.

Fast alle bereits am brasilianischen Markt vertretenen Aushersteller rüsten ebenfalls auf, seit Mitte 2011 sind rund 13 Grossprojekte im Bau oder in Planung.  Das dritte brasilianische Werk von Toyota, im Bau seit 2010 in Sorocaba, Sao Paulo, soll Mitte 2012 die Produktion aufnehmen. Fiat, seit über 35 Jahren in Brasilien ansässig, baut seit August 2011 ein neues Werkes im nordöstlichen Bundesstaat Pernambuco und erweitert ausserdem die Kapazität seiner bestehenden Fabrik in Betim im südöstlichen Minas Gerais. Renault, Peugeot und General Motors machten ebenfalls Pläne öffentlich. Renault liess verlauten, in seinem Werk in Curitiba die Produktionskapazität ab 2013 mehr als verdreifachen zu wollen und zu diesem Zweck 200 Millionen Euro zu investieren. Zusätzlich bauen die Franzosen gemeinsam mit ihrer japansichen Schwester Nissan ein Werk in Resende, Rio de Janeiro, das rund 1,1 Milliarde Euro kosten soll. Aufgerundet wird der Kreis der Mitbewerber durch Neueinsteiger im brasilianischen Markt wie Hyundai und Suzuki, die chinesischen Fabrikanten Chery und Lifan und den LKW Hersteller DAF.

Von den im Vergleich zu China und Mexiko höheren Produktionskosten lassen sich die Investoren nicht abschrecken, da der brasilianische Binnenmarkt entsprechend bessere Gewinnspannen verspricht und gezielte Einfuhrzölle der brasilianischen Regierung die Invasion von Billigimporten verhindern. Besonders reizvoll ist Brasilien für Autohersteller jedoch, weil viele Zulieferer bereits dort produzieren. So deutete im Frühjahr 2011 auch BWM erstmals die Planung einer Produktionstätte im Grossraum Sao Paulo an, also in unmittelbarer Nähe von Werken bewährten Zulieferern wie Bosch, ZF Friedrichshafen und Continental - die hier schon seit längerem für Volkswagen und Daimler produzieren. Zudem eröffneten seit 2010 15 weitere multinationale Zulieferer und Fahrzeugteilproduzenten Niederlassungen und Filialen in Brasilien. Insgesamt legte der Umsatz der Kfz-Zulieferer in Brasilien 2011 um 4,3 Prozent auf rund 56 Mrd. Dollar zu.