22.11 2019
I-Pads made in Brazil
Donnerstag, 08. September 2011 um 01:00 Uhr
FOXCONN (Fu Shi Kang), ein Tochterkonzern des in Taiwan ansässigen Elektronikriesen Hon Hai Precision Industries, plant den Bau eines Fertigungskomplexes für elektronische Komponenten in Brasilien, und will zu diesem Zweck innerhalb von fünf Jahren Investitionen von 10-12 Milliarden Dollar tätigen. Dies liess die Firma im April 2011, anlässlich des Besuchs der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff in China, verlauten. Unter anderem beabsichtigt der Konzern den Bau eines Campus in Jundiai, São Paulo, wo er bereits Fabriken für elektronische Komponenten betreibt.

In der neuen Anlage sollen bis 2013 hauptsächlich OEM-Produkte für Apple I-Phones und I-Pads und ab 2014 auch 60-Zoll LCD-TFT-Bildschirme angefertigt werden. Ebenfalls in Aussicht gestellt wird der Bau einer Wafer Foundry für Computer Chips. Erstaunen löste in der IT Branche der Umfang der beabsichtigten Investitionen aus - der Bau einer modernen Chip-Fabrik kostet aktuell etwa 3 Milliarden Dollar und gehört zu den umfangreichsten gängigen Investitionspaketen im IT Bereich.

Dementsprechend hoch sind die Forderungen des Konzerns an die brasilianische Regierung. Unter anderem erwartet FOXCONN spezielle Steuervergünstigungen für Tablets, die nur über Gesetzesanpassungen möglich sind. Weiterhin wünscht sich die Firma ein ausreichend grosses Gelände zur Einrichtung eines Clusters, das auch Zulieferfirmen und Transporteinrichtungen beherbergt und komplett mit Glasfaserkabeln und High Speed Wi-Fi ausgestattet sein wird. Ausserdem fordert FOXCONN Privilegien im Transportnetz, sowohl was die innerbrasilianische Distribution als auch die Verschiffung ins Ausland angeht. Hierzu sollen unter anderem in mehreren Flughäfen und Häfen dedizierte Terminals eingerichtet werden - ein bei der gegenwärtigen brasilianischen Gesetzeslage nicht ganz unproblematisches Thema.

Vor allem aber fordert der Konzern die Eröffnung einer Überholspur bezüglich Gesetzverabschiedungen, bürokratischer Prozesse und infrastruktureller Erweiterungen. Die Forderung nach der Einrichtung und Einhaltung eines genauen Zeitplans fordert laut der Meinung der brasilianischen Presse den staatlichen Verwaltungsapparat in einem bisher ungekannten Maß. Mexiko und Argentinien spitzten bereits die Ohren, hiess es im Juni, als Dilma Rousseff erneut zu Verhandlungen nach China reiste.

Brasilien ist sich seines Differenzials bewusst und stellt seinerseits Bedingungen: So muss unter anderem die Belegschaft der Anlage grösstenteils aus Brasilianern bestehen, fehlende Kontingente soll der taiwanesische Konzern bei Bedarf nach China holen und dort ausbilden. Auch was das Lohnniveau angeht, sollen keinerlei Abstriche gemacht werden. Weiter will die brasilianische Regierung den Chinesen das vorschlagen, was diese gern westlichen Firmen im Tausch gegen Standortvorteile zur Bedingung machen: Sie will über das Projekt einen Informationstransfer im IT Bereich in Gang bringen und plant zu diesem Zweck die Einrichtung eines speziellen Entwicklungs- und Produktionszentrums.

Noch kamen die seit April laufenden Verhandlungen zu keinem Abschluss, doch beide Seiten zeigen sich zuversichtlich. Zuletzt war eine mehrheitliche Beteiligung der nationalen Entwicklungsbank BNDES (Banco Nacional de Desenvolvimento Econômico e Social) im Gespräch. Ähnliche Projekte kleineren Umfangs von Samsung und Motorola verliefen bereits erfolgreich, und weitere chinesische Unternehmen wie ZTE und Huawei haben noch für das laufende Jahr den Ausbau ihrer Geschäfte in Brasilien angekündigt, was darauf hindeutet, dass die allgemeinen Rahmenbedingungen stimmen. Steigt der Mega-Deal mit FOXCONN, könnte dies einen Run multinationaler Unternehmen auf brasilianische Produktionsstandorte auslösen.